07.07.2017

Flashback #9: Moritz Ecker - Weltreise mit Videoblog

Was macht ein Musiker, der gerade ein neues Album aufgenommen hat und nebenbei plant, 20.000 Kilometer mit dem Fahrrad über den Globus zu fahren? Er geht auf Weltfahrradtournee! 


Moritz studierte zeitgleich mit mir an der Folkwang Uni Jazz-Gitarre. Nach dem Studium zog er zurück in seine Heimatstadt Berlin. Im Sommer 2011, zeitgleich mit meiner eigenen Fahrradtour nach Frankreich, fuhr er auf der Suche nach Songtexten auf einem alten Peugot-Rennrad 3.000 Kilometer bis ans Nordkapp – und zurück. Wir mailten uns während der Fahrt: Bei mir wurde es immer wärmer. Er schrieb, er habe sich eine Daunenjacke gekauft und führe durch Schnee.

Im Jahr darauf folgte für ihn die nächste Reise. Die Distanz sollte eine ähnliche sein, die Richtung eine andere. Nach Süden diesmal. Sein Rad trug ihn bis nach Istanbul. „Früher bin ich einfach losgefahren“, sagt er heute, „wenn man ans Mittelmeer will, fährt man erstmal nach Leipzig, danach immer weiter geradeaus.“

2013 folgte eine Reise nach Albanien. Dieses Mal hatte er eine Gitarre dabei, um unterwegs seine Songs spielen zu können. Sein Rennrad trug ihn mitsamt Instrument über die Alpen. In Albanien fand er eine andere Welt vor, in der es rauer und direkter zuging, als im sicheren Deutschland. Langsam formte sich die Idee für eine wirklich weite Reise.


Im Frühjahr 2015 kündete er seinen Job als Lehrer an einer Berliner Musikschule. Er hatte Geld gespart und wollte sich endlich wieder der eigenen Musik widmen. Schon seit zwei Jahren gab es Pläne für ein neues Album mit Songs für die Band Cats Don't Talk, die er auf seinen Radtouren geschrieben hatte. Im August 2016 war das Album Yes fertig. Es folgte die obligatorische Labelsuche. Gleichzeitig gab es diesen Reiseplan...

„Ich habe mich gefragt, welcher Ort am weitesten von Berlin entfernt liegt. Ein Ort, der auf dem Landweg zu erreichen ist." Die große Weltkarte, die in seiner Küche hängt, gab Antwort: Singapur. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, dachte er. Er hatte etwas Geld. Er hatte Zeit. Er hat eine verständnisvolle Frau.

Seit über zwei Monaten ist Moritz jetzt unterwegs und postet von unterwegs Videoblogs, die ich euch wärmstens an Herz legen kann. Wenn das kein Fernweh weckt!


26.06.2017

Kwaggawerk spielt Extraschicht

Am Samstag, 24.06. fand im Ruhrgebiet wieder die Extraschicht statt. In dieser "Nacht der Industriekultur" wurden an 46 Spielorten in 21 Städten über 500 Veranstaltungen geboten. Auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen war das Kwaggawerk mit fünf Aufritten, einer spontanen Fahrt im motorlosen Karussel und auf der legendären Förderband-Rolltreppe dabei.

07.06.2017

Unterwegs Staunen

In letzter Zeit begegnet mir immer wieder Kunst, die sich auf den Weg macht. Zum Beispiel die radreisende Gedichtrezitatorin Anna-Magdalena Bössen mit "Deutschland - Ein Wandermärchen" oder die Daumenkinographie von Volker Gerling, die ihn zu Fuß von Berlin bis München brachte.

Ganz besonders schön ist das Pilgrim's Cabinet von Astrid Mendez. Bei diesen Bildern fragt man sich: Was, was, was macht sie dort bloß, dass die Leute so staunen?

The Pilgrim's Cabinet Tour 2017 from Astrid Mendez on Vimeo.

17.05.2017

4 Tage Eifelwanderung

Bestens beschildert: Der Eifelsteig

Eine mehrtägige Wanderung von Jugendherberge zu Jugendherberge: das wollte ich schon lange machen. Touren mit Zelt und Kochausrüstung stehen meist unter dem Zeichen des schweren Gewichts und der körperlichen Strapazen in den ersten Tagen. Wenn man ohnehin nur vier Tage hat, ist die Hemmschwelle groß, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Also der Gedanke, in Jugendherbergen einzukehren. Man braucht nur wenig Gepäck und es ist bezahlbar.

Zuerst meldete ich mich beim Deutschen Jugendherbergswerk an. 22,50€ pro Jahr kostet die Mitgliedschaft, für Familien oder Paare genügt ein Beitrag. Es reicht bei kleinen Gruppen auch, wenn nur die Buchende Mitglied ist. Der Vorgang ließ sich in wenigen Minuten online erledigen.

Als nächstes galt es, drei nicht zu weit von Köln entfernte Jugendherbergen zu finden, deren Distanzen eine Tagesetappe nicht überschritten. In NRW fand ich die folgenden Möglichkeiten: Das Bergische, den Nationalpark Eifel und die Vulkaneifel. Im Bergischen, so kommt es mir jedenfalls vor, ist mehr Verkehr als in der Eifel. Den Nationalpark kennen wir schon recht gut. Also Vulkaneifel. Ich buchte je eine Nacht in Gerolstein, Daun und Manderscheid. Kostenpunkt incl. Abendessen und Frühstück ca. 75€ pro Nacht. In Nachhinein fanden wir heraus, dass man vegetarische Kost am besten gleich bei der Buchung im Bemerkungsfeld angibt.

Die Reise ging über das Osterwochenende von Freitag bis Montag. Wir fuhren mit der Bahn bis Oberbettingen-Hillesheim, eine entspannte Tagesetappe von Gerolstein entfernt. So dachte ich jedenfalls. Wir entstiegen der Bahn gegen Mittag, hielten eine gemütliche Lunchpause und gingen los. Schon nach zwei Abbiegungen zeigte sich, dass meine "Geomap"-Wanderkarte nicht die ideale Begleiterin war: Die Wege waren ungenau eingezeichnet, fehlten teilweise. Wir folgten von da an dem bestens beschilderten Eifelsteig, der auf der gesamten Tour zu unserem Begleiter wurde. Was ich anfangs noch nicht wusste: Dem Eifelsteig sind kurze Wege egal. Er führt gerne in Schleifen und Bögen durch die Landschaft. Sein Ziel ist einzig der schöne, erlebnisreiche Weg. Ein Vermeidung von Höhenmetern z.B. gehört nicht zu seinen Ambitionen.

"Heimatblick" nach Norden, Richtung Hillesheim

Die erste Etappe war gekennzeichnet von offenen, welligen Landschaften. Pünktlich um 18 Uhr erreichten wir die Jugendherberge Gerolstein, wo man sich gerade zum Abendessen niedergelassen hatte. Ein kleines Zimmer mit Etagenbett. Nach dem Essen ein Radler und tiefer, tiefer Schlaf.

Am nächsten Tag war Daun das Ziel. Die Wettervorhersage bestenfalls mittelgut, Regenwahrscheinlichkeit 90%. Wir legten los - der Eifelsteig war längst ein alter bekannter. Mitten auf der waldigen, hügeligen Strecke lag der Nerother Kopf, ein malerischer Hügel mit alter Feste auf dem Gipfel, den wir erreichten, als Regen und Wind sich gerade richtig eingroovten. Der Eifelsteig hatte zuvor eine umständliche Runde um das Dorf Neroth gedreht - ich war ihm hier zum letzten Mal aufgessen und nutzte von da an meine OpenMaps-Karten im Handy, um allzugroße Schlenker zu vermeiden.

Hier freut sich der Brückenkonstrukteur über Inspiration

Die letzten Kilometer bis zur Jugendherberge Daun wurden wir von einem maßstabsgetreuen Planetenmodell begleitet. Ein letzter Aufstieg zur Herberge, geschafft! Spätestens hier wurde mir wieder richtig bewusst, wie gerne ich Jugendherbergen mag. Das Menschengewusel, die vielen Familien, das gemeinsame Essen, die Einrichtung, die sich auf das Wesentliche beschränkt - sie gefallen mir. Wir teilten unseren Tisch mit einem Australier, der in Gewaltmarschetappen den Eifelsteig von Aachen bis Trier bezwingen wollte. Er lief mit Vollgepäck, Stöcken und geschwollenem Knie. Trotz allem war er gut gelaunt und mitteilsam.

Auch hier wurden wir abends nicht alt. Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück herunter kamen, sah ich unseren Tischnachbar schon vollbepackt auschecken. Für uns folgte die schönste der drei Etappen. Dem Eifelsteig ging ich nicht noch einmal auf den Leim. Statt seine Ehrenrunde südlich von Daun mitzudrehen, folgten wir direkt dem "Lieser-Wanderweg", der uns durch dieses malerische Flußtal direkt nach Manderscheid leiten sollte. Unterwegs trafen wir unseren Australier wieder, der treu dem Eifelsteig folgte, so dass wir ihn trotz unsere späteren Abreise und unseres gemütlicheren Tempos einholten. Kein Regen. Das Gewicht spürten wir nicht mehr. Sauerstoff ins Hirn und laufen. Was will man mehr?

Zu Ostern noch kaum ergrünt: Das überaus malerische Lieser-Tal

In Manderscheid, wo wir wieder kurz vor Abendessen ankamen, erreichten wir die gemütlichste und netteste der drei Jugendherbergen. Das Küchenpersonal war sehr bemüht, alle satt und zufrieden zu machen, während in Gerolstein und Daun noch eher Mensa-Assotiationen wachgerufen wurden.

Am Montag regnete es. Statt wie geplant nach Westen bis Kyllburg zu laufen und dort in die Bahn zu steigen, nahmen wir einen  Bus über Daun nach Gerolstein und erreichten Köln zwar körperlich müde aber geistig tief erfrischt. Nachahmen? Unbedingt empfohlen!

29.03.2017

Sich wieder finden - "Kai" von Andreas Cumming

Im Netz gute Tanzfilme zu finden ist nicht ganz einfach. Das Wort "Tanz" (oder "Dance") wird in zu vielen Zusammenhängen genutzt. Auch "zeitgenössisch" oder ähnliche Labels bringen kaum weiter.

Umso mehr freue ich mich, wenn ich etwas entdecke wie den folgenden Film. Ich finde mich darin wieder und stelle mir vor, dass das vielen Tänzern so geht.

Kai (2015) from Andrew Cumming on Vimeo.

23.03.2017

Flashback #8 Hannibillica | Kevin Dorney

Ich begegnete Kevin Dorney auf meiner Radtour ans Mittelmeer im Sommer 2011 in Nîmes. Eine Freundin aus Köln hatte mir die Jugendherberge dort empfohlen, da müsse ich unbedingt einen Stopp machen.

Nachdem ich mit all meinem Gepäck im kleinsten Gang einen der sieben Hügel der Stadt erklommen hatte, fand ich ein heimliches Paradies, in dem ich unter Olivenbäumen für wenig Geld mein Zelt aufschlagen und einige Tage Pause machen konnte. Unter den illustren Gästen gab es zwei unbezahlbare Dinge: Tolle Gespräche und schöne Feste.

Kevin las ein Buch über Hannibal Barkas und war so fasziniert von dessen Geschichte, dass er sich aufmachte, den Weg selbst nachzugehen, den der Karthager im dritten Jahrhundert vor Christus mit mehr als 50.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 Elefanten begann, um Rom zu besiegen. Über 2000 Kilometer, die Pyrenäen und die Alpen zu Fuß - inklusive Kameraausrüstung.

Nun ist das Video endlich fertig. Hut ab!

15.03.2017

LeseSport Samstag, 18.03.2017


Hier tritt mein Text "Nicht echt, Walter" in den Ring.

19.02.2017

Crowdfunding-Ziel erreicht

Mein Crowdfunding Projekt "Freiraum zum Schreiben" hat am Freitag sein Ziel erreicht. Ich bin überglücklich. Ein R I E S E N-Dank an alle Förderer*innen!

04.02.2017

Flashback #7 Wir wissen wie das geht | Benjamin Garcia

Benjamin und ich trafen uns am Donnerstag Abend zufällig in der Studiobühne, um "Die Harmonie der Gefiederten" des Agora Theaters zu sehen. Nach dem Stück, einem Muss für einen Hobbyornithologen wie mich, saßen wir zusammen im Café und bemerkten, es sei jetzt gut zehn Jahre her, dass wir unser Studium an der Folkwang Universität der Künste (damals noch Hochschule) beendet hätten.

Benjamin unterrichtet in Essen und fährt noch regelmäßig hin. Es sei schicker und anonymer geworden, sagt er. Damals war das Meierei-Gebäude, in dem sich die Mensa befindet, angenehm schrabbelig. Man durfte noch rauchen. Abends hingen dort Gruppen von Studenten rum, manchmal brachten sie Bierkisten und Zigarren mit und spielten Poker.

Während des Studiums war Benjamin an zweien meiner Projekte beteiligt. Er spielte Kontrabass für den Kurzspielfilm "Paul Geht" und für das Bühnenstück "Sheos". Schon eine ganz Weile wohnen wir beide in Köln und bekommen, wie das in Städten so üblich ist, in unregelmäßigen Abständen fragmentarisch mit, was der andere treibt. Ich verfolge mit Freude seinen Weg als Musiker und seine Musik an sich.

Dass Musiker viele Instrumente spielen, war früher etwas Besonderes. Heute gehört es fast schon zum guten Ton.
Benjamin allerdings ist wirklich ein Multiinstrumentalist. Er kann seine Platten komplett selbst einspielen: Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang und Keyboard. Alles selbst gemacht, alles wirklich und echt gut.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein wirklich, echt guter Song kommt .... jetzt:


09.01.2017

Schubladenlesung mit Melanie Raabe


Am Donnerstag veranstalte ich gemeinsam mit der Autorin Melanie Raabe eine Schubladenlesung im Café Weltemfänger in Ehrenfeld. Herzlich Willkommen!

Was man so alles findet, wenn man nach langer Zeit mal wieder seine Schubladen öffnet! Das gilt nicht nur für all den alten Kram, der sich über die Jahre in Kommoden ansammelt – D-Mark-Stücke! Lakritze! Kaugummis, Lichterketten, Pailletten, Kondome! – sondern auch für Schreibtische.

Die Kölner Autoren Max Pothmann und Melanie Raabe haben ihre Schubladen durchforstet, sind dabei auf Lustiges, Skurriles, Unglaubliches und halb Vergessenes gestoßen – und haben sich entschieden, daraus vorzulesen. Ein kunterbunter, literarischer Abend in schönster Kneipenatmosphäre.

Donnerstag, 12. Januar, 20 Uhr
Café Weltempfänger, Venloer Str. 196 - 50823 Köln
Eintritt frei