27.10.2011

Bild des Tages #23


Skizze 12.3

Wir proben jeden Tag für Mit Zucker und Zyankali. Heute haben wir das aktuelle Material zum ersten Mal einigen Freunden gezeigt: Das gibt Aufwind und gute Tips. Ansonsten: Schlafen, Gemüse essen und ein bisschen krakeln.

23.10.2011

Bild des Tages #22

Im Moment probe ich täglich für das neue Bühnenstück Mit Zucker und Zyankali. Es ist wunderbar, wieder so intensiv mit dem Körper zu arbeiten und zu tanzen. Nachts zeichne ich - seit Längerem wieder. Hier ist Skizze #20.

18.10.2011

Toilet Paper

There have been a few times when I thought that I'd found the trick. That I'd finally gotten then hang of it. That things were rolling along just fine and would keep doing so.

But it doesn't work that way and I can't even say if that counts for everyone or just people like me (the question is irrevelant anyhow).

What I've learned is that I have to keep learning the most simple things again and again. That as soon as I've understood certain rules of how to communicate with people, of how to deal with conflicts or (more difficult) with love - the situation presents itself from a new angle and I have to start from scratch again.

At first this was just a theoretical concept, which means - toilet paper. But after a couple of years of munching over it, I've come to realize that acknowledging not to be smart, wise or of deeper experience at all - my attitude towards live has changed profoundly.

I don't know much. And I won't ever.

It is very hard to know what my instincts are telling me. Because they do know. They always knew.

How do I know that? Simple answer: They've never failed me. "Failure" only came along when I didn't listen to them or - which keeps happening - when I couldn't hear what they were saying.

These thoughts jumped to my mind after watching Steve Jobs in a post by Melanie.

15.10.2011

ich / du / es

.

ICH
steh am Bahnsteig
die Sonne scheint mich ins Gesicht
weil es ist Herbst
weil da steht die Sonne tiefer

und ich frag mich
ob es dieses Mal
wieder so lange dauert bis
die Sonne scheint mich von oben

---

DU
hast so eine Lippenring
die mischt sich nicht nur gut
mit deine Augen
sondern mit deine Finger
wie die sich bewegen

und außerdem hast du eine Strumpfhose
aus Wolle blau
- wie deine Augen
und ich denke mir
wie das wär dich küssen
mit so eine Ring dabei

aber du steigst aus der Bahn
und ich fahr weiter

---

ES
hat ein bisschen gedauert
ich geh vorher noch ins Kiosk
Tabak kaufen, Kaugummi oder eine Zeitung

und unterwegs treffe ich Leute
und wir erzählen uns was
und das Telefon muss
eigentlich immer irgendwen anrufen

es hat ein bisschen gedauert
fast beinah ein ganzes halbes Leben
bis ich versteh dass das Sitzen
vor einer leeren Seite und warten

fast beinah das Beste ist

11.10.2011

Meisenmeinung

Ich bin am Niederrhein. Das ist eine Herbstgegend. So richtig blüht sie erst auf, wenn der Himmel so weit nach unten reicht, dass du meinst, die graue Decke mit hochgestreckten Fingern anfassen zu können.

Nieselregen. Nirgendwo auf der Welt gibt es Nieselregen wie hier. Er ist weich und warm und er kriecht überall hin. In die Schuhe. In den Rücken. Sogar unter den Tisch des einzigen omafreien Cafés.

Die Blätter hängen schlaff und nass nach unten. Aber sie hängen. Jeder Tag, an dem es noch grün ist oder wenigstens gelb oder rot, ist ein guter Tag. Jeder Tag, an dem im Herbst noch ein paar Blätter hängen, bedeutet dass dieses wildmachende Sehnen im Februar etwas später einsetzen wird. Also bleibt hängen, Blätter. Die Blaumeisen, die vor dem Fenster auf und ab fliegen, sind mit mir einer Meinung.

Im Ofen ein Feuer. Auf dem Herd Kakao. Draußen Stille, Dämmerung und die absolute Gewissheit, dass nichts Unvorhergesehenes geschehen wird.

10.10.2011

Gentle / Emotional / Different

I've been in Germany for two weeks now after 102 days in France. I miss the sun. I miss the gentle pace of life. I miss the beauty of the landscape. And I miss the people I met there. Plus three more or less crazy dogs and a pigeon. I wonder if she's come over her coffee addiction.

Coming back to Germany was strange as usual. The first difference is obvious: The weather sucks. I got sick after a week. I'm feeling cold all the time - despite being lucky: The second half of Sepember was unusually sunny this year.

The gentle pace of life? Let's face it: We've got many good ways in Germany. But we rarely walk them in a gentle pace. A funny thing that I just now realize: After two months in France I started to meditate less and less. Once back here I have to start again to cope. Which is basically a good thing - to meditate, I mean.

I didn't consider the Germans to be an emotional people until recently. But now I think: Germans get emotional very easily. They can hardly enter or leave a full train without cooking up, being afraid, stressed, impatient or both angry and very kind at the same time.

It took me some time to understand that I'm different, too, as soon as I cross a border. Think what you will - borders do exist. I've grown up near one. It exists even though it's been practically invisible since the
Schengen agreement in 1985. Once I went there with a Chinese friend who'd been kicked out of his own country as a young man - which changed his whole life and certainly didn't make it easier. He could hardly believe that we'd just entered The Netherlands. The small street just went on. And still. I'm a different person once I'm there or in any other country.

France was great. But it's good to be back again.

07.10.2011

Long Day - Part I

Es war einer von diesen Tagen. Mein Zelt stand schief. Ich schlief ich mit dem Kopf nach unten. Drehte mich um. Das war auch nicht besser. Am Abend zuvor hatte ich mit dem Straßenmusiker Dave Shire das klassische Bier zuviel getrunken. Sein Song The Road to Anywhere hatte mich so glücklich gemacht.

Dave beschoss, Musiker zu werden und nach Südfrankreich zu ziehen, nachdem er 1.000.000 Meilen mit dem Truck durch Britannien gefahren war. Zehn Jahre lebte er in der Jugendherberge Nîmes. Jetzt kommt er meist im Sommer, wenn London ihn zu sehr nervt. Sein Zelt wird in der Herberge verwahrt und wartet auf ihn. Ist er knapp bei Kasse, nimmt er die Gitarre und spielt in er Innenstadt, wo ihn viele noch von früher kennen.

An diesem Tag war Dave ebenfalls früh aufgestanden. Er wollte sich ein paar Euro dazu verdienen, um die Durststrecke bis zur Überweisung seiner Rente zu lindern. Einmal knapp bei Kasse, immer bei Kasse. Das Credo der Straße. Bevor ich mich Richtung Bahnhof aufmachte, gab ich ihm einen Brief an Kevin, den ich schon auf der Hinreise in der Auberge getroffen hatte. Kurz darauf trat ich einen Haufen Hundescheiße.

Ich ging ins Bad und zog den Schuh aus, um ihn zu untersuchen. War das wirklich Hundscheiße? Der Geruchstest trieb mir die Tränen in die Augen und legte mein Riechorgan für die nächsten zwei Stunden völlig lahm. Notdürftig kratzte ich den Schuh sauber. Das Zeug klebte, als wäre es dafür gemacht, stunden-, wenn nicht tagelang in der Profilsohle von Wanderschuhen zu hängen. Vor mir lag eine lange Bahnfahrt. Wer einmal mit stinkenden Schuhen zwei Stunden in einem Abteil verbracht hat, der will das nicht wiederholen. Wie gesagt: Notdürftig. Die Schuhe stanken noch immer. Sie stanken so stark, dass mir beim Schreiben noch der Geruch durch die Nase weht.

05.10.2011

Long Day - Part II

Für die Strecke bis Lyon hatte ich mit dem Rad fast vier Tage gebraucht. Im Zug dauerte sie anderthalb Stunden: Das Rhone-Tal sauste vorbei, die Alpen zur Rechten. Wer in meiner Nähe saß, wirkte schlecht gelaunt. Lag das am Geruch? Weiter ging es nach Chalon-sur-Saône ins Burgunderland.

Diese Stadt war schon auf der Hinreise ein Nadelöhr gewesen. Fast verdurstet und mit glühendem Kopf war ich über eine enge Nationalstraße voll schnell fahrender LKW die letzten Kilometer in die Stadt gefahren, bis ein Netto-Supermarkt mich erlöste. Am nächsten Tag verfuhr mich in den Ausfallstraßen und brauchte 20 Kilometer, um zur ursprünglichen Route zurückzufinden.
Jetzt war es nicht besser. Mein Plan, eine Tagesetappe mit dem Rad einzulegen, erwies sich als Schnapsidee. Es gab in der ganzen Stadt keine Radwanderkarte. Man verkaufte mir kalte Quiche, die Zeitungsdame gab mir türkisches Geld statt einer 2-Euro-Münze und meine Schuhe stanken noch immer. Ich beschloss, weiterzufahren und kaufte ein Ticket nach Belfort trotz der Tatsache, dass meine Karte keinen Campingplatz anzeigte und ich erst im Dunkeln ankommen würde.
Als ich mich über den verbotenen, flachen Übergang abseits der Gleise schleichen wollte, um das bleischwer bepackte Rad nicht die Treppen runter und rauf zum Bahnsteig schieben zu müssen, pfiff mir ein napoleonesker Bahnangestellter hinterher. Er verlangte das Vorzeigen meines Tickets und zwang mich, das Rad zu tragen. Ich kam mir vor wie ein Krimineller.
Umstieg in Dijon. Riesenchaos am Bahnhof. Alles voll Menschen: Mit dem dick bepackten Rad kam ich kaum durch. In der Eingangshalle war es am vollsten: Reisende standen vor den Anzeigetafeln und warteten darauf, dass die Abfahrtszeiten- und Gleise für Züge angezeigt wurden, die schon vor einer Stunde hätten abfahren sollen.
Ich setzte mich in die Sonne, um zu rauchen. Ein dicker Südländer schnorrte Tabak. Mein Blättchen gefielen ihm nicht - murrend gab er mir den Beutel zurück und zog davon. Hinter seinem Ohr steckte eine Filterzigarette. Ich kaufte einen halben Liter Evian für zwei Euro und fragte einen Mitarbeiter der Bahngesellschaft was los sei. Offenbar eine Signalstörung. Wohin ich fahre? Nach Belfort. "Ah! That's the line we have problems with!"

04.10.2011

Long Day - Part III

Mein Herz sank in die Knie. Längst wusste ich, dass ich einen von diesen Tagen erwischt hatte, an denen alles schief zu gehen scheint. Genau: Es scheint nur so, denn kurz darauf wurde mein Zug angezeigt. Ein letztes Mal manövrierte ich das Rad duch den überfüllten Bahnhof zum Bahnsteig. Tatsächlich fuhr der Zug nach einer Dreiviertelstunde des Wartens los.

Belfort liegt im Departement Franche-Comte zwischen dem heutigen Burgund und dem Elsass. Bisher war meine Route exakt dem Hinweg gefolgt - der Faden rollte sich von hinten auf: Ich konnte Revue passieren lassen, was geschehen war. Ganz zu Anfang meiner Reise hatte ich in Mulhouse vorm Aldi einen Mann kennengelernt, der mir Belfort besonders empfahl - also hin da!

Es wurde langsam dunkel. Zusteigende trugen Jacken, sogar Schals! Ich hatte drei Monate keinen Schal gesehen. In Belfort kamen wir gegen halb neun an. Meine Karte zeigte keinen Campingplatz, nur eine Jugendherberge. Im Dunkel verfuhr ich mich kolossal. Immerhin hatte ich genug französisch gelernt, um die umständliche Wegbeschreibung eines Sicherheitsbeamten an der technischen Hochschule verstehen zu können, um die ich dreimal im Kreis gefahren war.

Und tatsächlich fand ich die Herberge, einen modernen Kasten, der mit meinen Erwartungen eines gemütlich-schrabbelingen Gebäudes nichts zu tun hatte. Oben an der Rezeption saß ein Mann mit eng stehenden, geröteten Augen und Schmerbauch. Er flatterte mit den Flügeln: Voll. Der Laden war voll. Unverrichteter Dinge zog ich ab in die Nacht, ins Dunkel, mit stinkenden Schuhen. Unterwegs hatte ich ein Hinweisschild zu einem Campingplatz gesehen. Noch konnte ich hoffen, nicht wild, nass, kalt und ungewaschen campen zu müssen.

Erstmal in die Innenstadt, was essen. Ein junger Mann am Straßenrand sprach mich an und fragte, ob ich Hilfe bräuchte: Sowas ist ungewöhnlich, aber er sagte es auch selbst: Die Menschen in Belfort sind freundlich und hilfsbereit. Er beschrieb mir den Radweg zum Campingplatz und empfahl einen guten Dönermann am Bahnhof. Dort aß ich, trank ein Bier und machte mich auf die Suche nach dem Eldorado für die kalte Nacht. Was für ein Glück: Es war fünf vor zehn, als ich ankam. Der Chef und sein alterschwacher Schäferhund wollten gerade das Tor abschließen. Auf wunderbar weichem Boden schlief ich ruhig, aufgehoben und glücklich in meinem kleinen Zelt. Die Schuhe blieben draußen.

01.10.2011

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