26.10.2010

Brittany Murphy - The Dead Girl

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Sin City ist ein Film, den fast jeder gesehen hat. Manchen ist Brittany Murphy in der Episode 'The Big Fat Kill' an der Seite Clive Owens aufgefallen.

Oder in 8 Mile. Hier spielte sie Eminems trashige Quasi-Freundin. Ich fand damals ihre Darstellung so echt, dass ich begann, ihre Karriere zu verfolgen. Sie starb Ende letzten Jahres 32-jährig.

Drei Jahre zuvor hatte sie in einem kleinen Streifen von Karen Moncrieff mit dem Titel The Dead Girl mitgewirkt. An ihrer Seite spielen unter anderen Toni Colette, Marcia Gay Harden, Giovanni Ribisi und Josh Brolin - alle bekannt nicht nur für gutes Schauspiel, sondern auch für ihre Auswahl guter Filme.
Murphy gibt das tote Mädchen - zu Beginn wird irgendwo auf dem Land die Leiche eines Mädchens entdeckt. Episodenhaft rollte sich die Geschichte von hinten auf.

Die Abschnitte lassen den Fall exemplarisch werden: Im Kapitel "Die Schwester" begegnen wir der jungen Pathologie-Doktorandin Leah, welche die Leiche untersucht. Ihre eigene Schwester ist vor 15 Jahren verschwunden. Leah leidet bis heute darunter. Für einen kurzen Moment fühlt sie sich befreit, weil der Verdacht ensteht, die Leiche könne die ihrer Schwester sein. Der kurze Moment genügt, um endlich den hübschen Laborkollegen kennen zu lernen, denn der Irrtum folgt auf dem Fuß und sie wird Hilfe brauchen.

Gruselig: "Die Ehefrau". Hier treffen wir die Frau des Mörders, der immer wieder tagelang verschwindet - natürlich ohne zu sagen wohin. Die Stimmung im Haushalt der beiden wirkt schauriger als es eine Darstellung seiner Taten erreicht hätte.

Wie gewohnt großartig spielt Marcia Gay Harden als Mutter des toten Mädchens. Sie reist nach L.A. und findet eine junge Prostituierte, mit der die Verstorbene Zimmer und Bett geteilt hat. Die Mutter erfährt erst jetzt, dass ihre Tochter früher jahrelang vom Stiefvater missbraucht wurde.

Im letzten Kapitel begegnen wir Murphy. Trashig, müde, abgenutzt und mit verkratzter Stimme. Einmal versucht sie Josh Brolin in einem grandios dahin gerotzten Monolog einen Gefallen abzuschwatzen: Großes Tennis.

Es erscheint mir bemerkenswert, dass die Schauspielerin einige Jahre später selbst einen frühen Tod gestorben ist, der wenn auch nicht mit Drogen, so jedenfalls mit Medikamenten in Zusammenhang stand. Nicht nur im Falle Heath Ledgers ist das Leben wieder mal traurig gewesen. Murphys Ehemann starb nur fünf Monate später im gleichen Haus unter ähnlichen Umständen.

21.10.2010

Einer ohne Worte

Valhalla Rising

An der Qualität von 'Valhalla Rising' scheiden sich die Geister. Man kann den Film als dänisch auffassen, auch wenn er europäisch produziert wurde. Der Regisseur Nicolas Winding Refn kommt, genau wie Hauptdarsteller Mads Mikkelsen aus unserem nördlichen Nachbarland.

Selten sind Streifen, in denen die Hauptfigur kein einziges Wort spricht. Endlich ein neuer! Mikkelsen, spätestens seit Jerry Bruckheimers verunglücktem King Arthur (2004) eine besondere Empfehlung als Action-Darsteller in dreckigen Mittelalter-Filmen, sagt während des ganzen Films kein einziges Wort. Er grunzt nicht einmal beim kämpfen. Und weil er so eine Art Kampfsklave ist, prügelt er sich regelmäßig und gewinnt immer - einäugig.

Vielleicht wollte Refn mit diesem Film einen Kontrapunkt setzen zu Ridley Scotts The Conquest of Paradise (1992), worin Gérard Depardieu als Kolumbus mit ansehen musste, wie seine bescheuerten spanischen Adelskollegen massenweise Eingeborene umbrachten. In Valhalla Rising landet eine Handvoll Wikinger um 1000 a.D. an Nordamerikas Küste. Der nunmehr freie 'One-Eye', dessen Träume gelegentlich zukünftiges vorweg nehmen, hilft den Eingeborenen bei der Dezimierung seiner durchdrehenden Kollegen, bis nur noch der heimatlose Junge übrig ist, den Einauge im Schlepptau mit über den Ozean geführt hat - die Eroberung des Paradieses bleibt auf dieser Tour aus.

Nicht nur die Hauptfigur spricht wenig. Die Wikinger sind überhaupt sehr wortkarg. Der Film ist in Kapitel geteilt. Ruhig und zielsicher reiht sich Bild an Bild. Ein Antifilm - aber ein schöner, ein brutaler, ein besonderer.

19.10.2010

Im Kino: Twelve

Ein modelschöner junger Mann steht mit zerwuschelten Haaren einsam auf New Yorker Dächern. In den Straßen und Parktunneln von Manhattan verkauft er Drogen aus Harlem an seine alten Klassenkameraden. Die sind alle so reich, dass sie nicht wissen, wohin mit all dem Geld, dem Erfolgsdruck und der ganzen Gefühlskälte. White Mike, der Dealer ist verglichen mit ihnen ein armer Schlucker. Seine Mutter ist gestorben, der Vater kellnert. Wir erleben hier eine Wiederholung dieses Kernelements amerikanischer Geschichten - den Tod eines Familienmitglieds.
Kiefer Sutherland gibt aus dem Off Informationen über die Protagonisten. Seine raue, zeitlose Stimme allein macht diesen Film (neben all den schönen Gesichtern) guckbar. Zwar ist das Lebensgefühl dieser neurotischen Generation reicher Immernoch-Teenager für uns Mittelgewichtseuropäer schwer nachvollziehbar, aber allein weil sie alle so unreal schön daher kommen, gucken wir ihnen gerne beim Abkacken zu. Am Ende heißt es dann, wie üblich in Amerika: Live the best life you can.

18.10.2010

Zurück zu den Wörseln?

Ich hatte mal einen Ballettlehrer, der besonders durch seine Körpergröße von sich reden machte. Er war sehr klein. Ungefähr einsfünfzig.

Obwohl er seit 30 Jahren in Essen lebte, sprach er kaum deutsch. Das lag auch daran, dass die Deutschen immer ganz wild darauf sind, englisch zu sprechen.

Er bezeichnete sich selbst als den ungeschlagenen Pirouetten-König, damals in den goldenen Tagen am Royal Ballet. Dem konnte man Glauben schenken - es gibt Menschen, die können sich einfach drehen und er gehörte dazu.

Einmal versuchte er uns klar zu machen, wie sehr man den Fußballen beim Drehen im Boden verankern muss. Er fragte: "How do you say 'root' in German?" - "Wurzel!" schrien wir - "OK, you have to put your foot into the ground like a Wörsel!" schrie er zurück und alle wörselten durcheinander.

Meine Frage ist gerade, ob ich den Blog wieder in die Hauptseite zurückbauen soll. Seit einem Monat nicht geschrieben: Was ist denn das?

Derzeit arbeite ich am Schauspielhaus Köln. Es ist, wie es immer war: Die Tänzer werden vom Theater verarscht. Mehr dazu folgt spätestens in einem Monat...